Der Verfasser dieses Leitfadens schießt seit mehr als 25 Jahren mit Vorderladerwaffen und hat sich in den vergangenen 10 Jahren auch mit Schwarzpulverpatronen beschäftigt. Hierbei hatte er ausreichend Zeit alle die Fehler zu machen, die durch diesen Leitfaden verhindert werden sollen. Einer dieser Fehler ist das Selbstverständnis, mit dem man versucht, die im Wiederladen von Nitropatronen gemachten Erfahrungen auf Schwarzpulverpatronen zu übertragen. Dies war zwar nie die Ursache für eine Gefahr, hat aber auf dem Weg zu präzisen Ladungen in einige Sackgassen geführt.

Der Leitfaden soll daher in kurzer Form einige Grundkenntnisse für das Laden von Schwarzpulverpatronen vermitteln, wobei dem Verfasser durchaus bewusst ist, dass eine ausführliche Darstellung dieses Themas schnell ein ganzes Buch füllt. Die ausführliche Erörterung dieses Themas würde jedoch das Ziel dieses Leitfadens verfehlen. Er soll lediglich beim Überwinden der Anfangsschwierigkeiten behilflich sein und auf Unterschiede zum Wiederladen von Nitropatronen hinweisen. Der Neuling auf diesem Gebiet des Wiederladens begegnet dabei einigen Besonderheiten, die sich in den spezifischen Eigenschaften des Schwarzpulvers und dessen Ladetechnik begründen. Werden diese nicht beachtet, etikettiert der enttäuschte Wiederlader Schwarzpulverpatronen schnell als unpräzise und leistungsschwach. Das dieses Etikett völlig unverdient ist, lässt sich aus der Literatur und den Ergebnissen der Schießwettbewerbe des 19. Jahrhunderts belegen.

In der Literatur des späten 19. Jahrhunderts werden auf Entfernungen von 1000 Yards ( 914 Meter ) mit Schwarzpulverpatronen beachtens-werte Ergebnisse beschrieben. Diese Leistungen wurden nicht nur mit den für diese Wettbewerbe hergerichteten Sharps und Remington, sondern in vergleichbarer Form auch mit den üblichen Ausführungen und militärischen Springfield Trapdoor Gewehren erreicht.

Studiert man heute einen Test mit modernen oder antiken Gewehren, so findet man oft neben einer Vielzahl von Nitrolaborierungen nur vereinzelte Laborierungen für Schwarzpulverpatronen aufgelistet, die dann auch regelmäßig am unteren Ende der Präzisionsskala liegen.

Was hat sich also zu früher geändert? Eine einfache und oft gehörte Erklärung lautet - das Pulver ist schlechter geworden! Das hört sich zwar gut an und ist für den Normalschützen mangels vergleichbarem Originalpulver nicht nachprüfbar - entspricht aber nicht den Tatsachen. Richtig ist, dass dem Wiederlader heute eine Vielzahl von Komponenten angeboten werden, die ausschließlich auf Nitroladungen abgestimmt sind. Die fängt bei der Hülse an und hört bei dem Geschossfett auf. Die Ursache hierfür ist die Weiterentwicklung der Komponenten, die im Laufe der Zeit auf die Erfordernisse der Nitrolaborierungen umgestellt wurden. Präzise Ladungen entstehen nicht durch den bloßen Austausch des Nitropulvers gegen Schwarzpulver. Bei den Schwarzpulverpatronen handelt es sich in der Regel um großvolumige Hülsen, die dazu noch mit beeindruckenden Geschossen bestückt waren. Die bekannteste dieser Patronen dürfte die .45-70 Government sein, die auf eine ruhmreiche Geschichte sowohl im militärischen als auch im sportlichen Einsatz zurückblicken kann. Heute wird sie oft als schlapp abqualifiziert, wobei offenbar vergessen wird, dass die mit 70 Grain Schwarzpulver und einem 500 Grain Bleigeschoss geladene Patrone neben der sportlichen Wett-kampfentfernung von 1000 Yard in der militärischen Erprobung auch auf 2000 Yard (1828 Meter) für das Präzisionsschießen (!) eingesetzt wurde. Die maximale Reichweite dieses Geschosses beträgt bei einer Überhöhung von 29 0 ca. 3200 Meter, wobei das Geschoss dann noch genügend Energie hat um 15 cm Holz zu durchschlagen! Schlapp?

Durch das wachsende Angebot von Repliken erfreut sich diese Patrone seit einigen Jahren steigender Beliebtheit, weshalb sie hier als Beispiel für die Komponenten und Ladetechnik dienen soll. Die hier angeführten Erkenntnisse lassen sich auch auf andere Schwarzpulver-Patronen übertragen.

 

Die Komponenten

Hülsen

Die .45-70 Gvmt. Hülse erfreut sich nicht nur wegen ihrer preiswerten Verfügbarkeit großer Beliebtheit, sondern wird auch als Basishülse für mehrere andere Kaliber gebraucht. Die bekanntesten Hersteller dieser Hülsen sind Winchester, Remington und Federal, wobei der entscheidende Unterschied in der Wandstärke der Hülsen und somit im Fassungsvermögen liegt.

WINCHESTER-WESTERN (Bodenstempel "W-W") haben die geringste Wandstärke und empfehlen sich somit durch ihr großes Volumen für Schwarzpulverladungen.

Die REMINGTON-PETERS Hülsen (Bodenstempel "R-P") haben geringfügig stärkere Wandungen und ein entsprechend kleineres Hülsenvolumen.

Die stärkste Wanddicke haben die FEDERAL CARTRIDGE CO. Hülsen (Bodenstempel "FC" ), die dadurch gegenüber der Winchester Hülse ein um ca. 5 Grain reduziertes Volumen haben.

Zündkanalbohrung

Neben dem Volumen der Hülse sollte auch der Durchmesser der Zündlochbohrung beachtet werden. Der Durchmesser dieser Bohrung beträgt heute ca. 1,5 mm. Für einen sauberen Abbrand von Schwarzpulver MUSS das Zündloch allerdings auf 2,4 bis 2,5 mm aufgebohrt und beidseitig entgratet werden. Nach dem Trimmen der Hülse auf 53,5 mm kann mit dem Laden begonnen werden. Das genaue Einhalten der Trimmlänge ist wichtig, wenn leichte Geschosse zur Verbesserung des Abbrandverhaltens gecrimpt werden müssen. Nur bei einer genau eingehaltenen Trimmlänge und Setztiefe des Geschosses kann sich der oberste Millimeter der Hülse leicht über den ersten Führungsring legen, ohne diesen zu beschädigen. Ist die Hülse zu lang, ändert sich automatisch die Stärke des Crimps und somit auch der Auszugswiderstand des Geschosses, wobei auch noch der erste Führungsring beschädigt werden kann. Im Gegensatz zu Mehrlader-Waffen dient der Crimp bei den Blockverschlusswaffen nur zur Regulierung des Auszugswiderstandes.

 

Vorbereitung der Hülse

Für das spätere schonende Setzen des Geschosses muss die Hülse aufgeweitet werden. Durch das Kalibrieren wird die Hülse zunächst unter das Geschossmaß verengt. Damit das Geschoss jetzt ohne Schaden in die Hülse geladen werden kann, kommt vor der Befüllung der Hülse mit Pulver die Aufweitematrize (M-Die) zum Einsatz. Die M-Die arbeitet in zwei Stufen. Mit dem ersten Teil weitet sie die Hülse im Bereich vom Geschosssitz auf und zum Schluss trichtert sie die ersten 1 bis 2 mm der Hülse an, damit das Geschoss gesetzt werden kann ohne das sich dabei vom Geschossboden oder den Führungsbändern Blei abschert. Beim Aufweiten drückt die M-Die die Hülse zunächst auf das Maß des Aufweitedorns auf. Beim Herausziehen des Dorns "springt" die elastische Hülse wieder um ca. .001" (0,025mm) zurück. Das optimale Maß für einen solchen Aufweitedorn ist daher das Kalibriermaß des Geschosses. Wird also ein Geschoss auf .459" kalibriert, so sollte auch der Aufweitedorn dieses Maß haben. Nach dem Zurückspringen der Hülse auf das Maß .458" kann das Geschoss mit leichtem Druck und ohne Schaden zu nehmen auf Setztiefe gebracht werden. Die um ca. 0,025 mm engere Hülse gibt dem Geschoss dabei einen ausreichend festen Sitz, ohne es beim Setzen zu beschädigen. Vor dem Laden sollten Sie daher die mit dem Matrizensatz gelieferte M-Die auf ihr tatsächliches Maß hin überprüfen. Da nicht alle Läufe genau in der Norm liegen, werden die mit den Matrizensätzen gelieferten Aufweitedorne meist an der unteren Grenze liegen ( .456" bis .457"). Ein .456" Aufweitedorn hinterlässt dann eine auf .455" aufgeweitete Hülse für ein .459" Bleigeschoss. Abhilfe bringen zu den Geschosskalibrierungen passende Aufweitedorne, die in Abstufungen zu 0,025mm im Zubehörhandel erhältlich sind.

Zündhütchen

Schwarzpulver hat gegenüber Nitropulver eine deutlich niedrigere Zündtemperatur. Was also Nitropulver sicher zündet, sollte doch auch für Schwarzpulver ausreichend sein! Irrtum! Wie alle Komponenten blieb auch das Zündhütchen nicht in seiner Entwicklung stehen. Gewicht, Zusammensetzung und Eigenschaften der Zündmasse haben sich bis heute grundlegend geändert. Während Schwarzpulver-ladungen ausnahmslos nur in komprimiertem Zustand einen optimalen Abbrand erreichen, liegen Nitroladungen in der Regel als lose Schüttung in der Hülse. Hier ist die komprimierte Ladung die Ausnahme. Wichtig für das schnelle Durchzünden einer Schwarz-pulverladung ist daher ein Zündhütchen mit hoher Zündtemperatur und hohem Zünddruck. Beides muss zudem für einen möglichst langen Zeitraum aufrecht erhalten werden, damit der Zündstrahl tief in die komprimierte Schwarzpulverladung eindringen kann. Im Gegensatz zu den modernen Zündhütchen hatten die Zündhütchen um 1880 eine stärkere Ladung an Zündmasse mit einer längeren Brenndauer. Die Leistungen dieser "alten Zündhütchen" erfüllen heute nur noch einige "Large Rifle Magnum" Zündhütchen, unter denen sich die FEDERAL 215 LARGE RIFLE MAGNUM als optimal erwiesen haben. Dieses Zündhütchen ist heute in den Patronen von Top-Schützen der Standard, während mit deutlichem Abstand nur noch das Winchester Large Rifle Magnum Zündhütchen folgt. Durch den Einsatz von diesen LRM Zündhütchen plus dem erweiterten Zündloch wurde eine gefährliche "Notlösung" verdrängt, mit der in der Vergangenheit der schnelle und saubere Abbrand von Schwarzpulver erreicht werden sollte. Es handelt sich dabei um die sogenannten Duplex-Ladungen, bei denen etwa 7 bis 10 % der Schwarzpulverladung durch ein offensives Nitropulver ersetzt wurde. Dieses Nitropulver wurde zuerst geladen, gefolgt von der Schwarzpulverladung und hatte nach der Zündung die Aufgabe, das Schwarzpulver wie eine Feuerlanze zu durchdringen und gleichmäßig zu zünden. Vor solchen Duplex-Ladungen wird AUSDRÜCKLICH gewarnt, da sie gefährliche Druckspitzen erzeugen können und auch grundsätzlich nicht zulässig sind. Zudem sind diese Duplex-Ladungen durch die neuen (alten) Erkenntnisse über das Zusammenwirken der Komponenten von Schwarzpulverladungen und verbesserte Ladetechniken überholt.

Die Pulverladung

Als die problemlosesten Pulversorten für das Laden der großvolumigen Hülsen haben sich die groben Körnungen von Schweizer Pulver (Nr. 4 und 5) und Goex FG und FFG bewährt. Mit diesen Sorten können fast auf Anhieb sehr gute Ergebnisse erreicht werden. Wichtiger allerdings als die Pulversorte ist die zum Laden verwendete Technik. Kippt man eine abgewogene Ladung von 70 Grain in eine .45-70 Hülse, so wird diese bis ca. 7,5 mm unter den Rand gefüllt sein. Jetzt noch ein Geschoss auf die Pulverladung setzten und mit "sanfter Gewalt" auf Setztiefe bringen? Das 500 Grain Geschoss von Lyman (457121) hat bis zum vorderen Führungsring eine Setztiefe von 16,5 mm. Dies bedeutet, dass das Geschoss nur mit großem Kraftaufwand auf Setztiefe gebracht werden könnte. Die Folgen sind klar - der Geschosskopf würde dabei über das Feldmaß hinaus gestaucht und auch die Gesamtlänge des Geschosses würde verkürzt! Damit ließe sich die Patrone nur noch schwer in das Patronenlager einführen. Weiterhin verwandelt sich das unsachgemäß komprimierte Pulver in einen Kuchen aus zerbröselten Körnern, der durch die Kraft des Zündstrahls nicht mehr durchdrungen und schlagartig gezündet werden kann. Der Pulverkuchen brennt dann wie der Treibsatz einer Rakete ab und schiebt das Geschoss aus der Hülse, ohne es dabei schlagartig zu expandieren. Nur durch eine schlagartige extreme Beschleunigung kommt es in Verbindung mit der Masseträgheit zu einer ausreichenden Stauchung des Geschosses. Hierdurch wird das Laufprofil sofort abgedichtet und es können keine Pulvergase zwischen Geschoss und Laufwandung entweichen. Kommt es zu einem solchen Gasschlupf, werden durch die hohen Temperaturen Bleipartikel vom Geschoss abgeschmolzen und passieren das Geschoss. Vor dem Geschoss lagern sich die Partikel teilweise wieder als Bleispritzer an der Laufwandung an und werden von dem nachfolgenden Geschoss verschmiert. An diesen Anhaftungen reiben sich vom nächsten Geschoss wieder Bleipartikel ab und es gibt schnell eine Verbleiung, die zum raschen Präzisionsverlust führt. Durch eine entsprechende Ladetechnik und die Auswahl des richtigen Fettes können solche Verbleiungen weitgehend vermieden werden. In den Ordonanzvorschriften des Frankford Arsenal werden für die .45-70 Patrone einmal 55 Grain und 70 Grain bei Verwendung des 405 Grain Geschosses angegeben. Die leichtere 55 Grain Ladung war für das Trapdoor-Carabine bestimmt und auch so auf dem Hülsenboden geprägt. Bei dem Geschoss handelte es sich in beiden Fällen um ein 405 Grain Geschoss MIT HOHLBODEN, das gecrimpt wurde. Um das Volumen der geringeren Ladung auszugleichen, wurde auf die 55 Grain Ladung noch ein Zwischenmittel aus Pappe geladen. Von außen waren die Patronen nur durch die Beschriftung des Hülsenbodens zu unterscheiden. Wie nun konnte dieses Geschoss auf eine Pulverladung von 70 Grain passen? Die Lösung liegt in der komprimierten Pulverladung. Füllt man eine abgewogene Ladung von 70 Grain Pulver in die Hülse, so wird der Pulverspiegel wie bereits erwähnt ca. 7,5 mm unterhalb des Hülsenmundes liegen. Wird die gleiche Menge von Pulver langsam über ein ca. 80 cm langes Fallrohr in die Hülse eingefüllt, so liegt der Pulverspiegel von CH # 2 jetzt ca. 11, 5 mm unterhalb des Hülsenmundes. Wird statt Schweizer #2 das Schweizer #4 Pulver verfüllt, liegt der Pulverspiegel bei gleichem Gewicht bei ca. 12,1 mm. Stellt man die so gefüllte Hülse auf den Kopf, so wird nur ein Teil des Pulvers aus der Hülse fallen. Ein großer Teil bleibt fest verzahnt in der Hülse und lässt sich nur noch durch starkes Klopfen aus der Hülse lösen.

Zwischenmittel

Nach dem Einfüllen wird auf das Pulver ein "Gascheck" gesetzt. Die Bezeichnung Gascheck ist hier etwas irreführend, da dieses Zwischenmittel nicht die Aufgabe hat gegen einen Gasverlust abzudichten, sondern den Geschossboden vor Beschädigungen durch Pulverkörner zu schützen. Früher wurde dazu ein kalibergroßer Deckel aus festem Karton gestanzt, heute werden von den Top-Schützen Deckel aus ca. 1,5 mm starkem PE-LD gestanzt. PE-LD ist der Kunststoff, aus dem heute die meisten Kanister gefertigt werden. LD (Low Density) steht für den weicheren Kunststoff und HD (High Density) steht für die festeren Kunststoffe. Auf den Böden der Kanister sind gewöhnlich "PE-LD" oder "PE-HD" eingeprägt. Das Rohmaterial für diese Gaschecks kann somit kurzfristig auf seinem Weg in den gelben Sack umgewidmet werden. Der berühmte Laufhersteller und Schütze Harry Pope bezeichnete den perfekt geformten Geschossboden als äußerst bedeutend für die Präzision. Wer einmal Geschosse aus dem Sand eines Kugelfangs gebuddelt hat, wird auf den Böden oft das Muster der Pulverkörner festgestellt haben. Der vordere Teil der Pulverladung presst sich bei der Zündung gegen das Geschoss, wobei die noch intakten Körner oft eine Vielzahl von Dellen in den Geschossboden drücken. Befindet sich eine solche Delle jetzt genau an der Kante des Geschossbodens, so wird dort beim Verlassen des Laufes der Gasdruck zuerst entweichen und dem Geschoss bereits in der Anfangsflugbahn einen seitlichen Kick verpassen, der zu einer schlingernden Flugbahn führen kann. Der "Gascheck" schützt den empfindlichen Bereich des Geschosses. Ist der Geschossboden nach dem Kalibrieren und Fetten nicht absolut fettfrei, so kann der Gascheck nach dem Verlassen des Laufes kurz anhaften und beim Abfallen ebenfalls wieder zu einer Schlingerbewegung beim Geschoss führen. Wer auf der sicheren Seite sein will, der sollte den Geschossboden vor dem Laden sorgfältig abwischen und zwischen den Gascheck und den Geschossboden noch eine Einlage aus einer kalibergroßen Scheibe Zeitungspapier legen. Diese Papierscheibe sorgt dafür, dass der Gascheck nicht am Geschossboden anhaftet. Sollte die dünne Papierscheibe nach dem Verlassen des Laufes kurzzeitig am Geschossboden anhaften, wird sie bei der Ablösung keine so schwerwiegende Störung im Flug bewirken.

 

Stanzmatrizen

Zur Herstellung solcher Polywads gibt es Stanzmatrizen in verschiedenen Kalibern, die in die Ladepresse eingeschraubt werden und mit denen man in einer Stunde Hunderte von Gaschecks geräuschlos und präzise stanzen kann.

 

Kompressionsmatrizen

Nachdem der Gascheck auf das Pulver gesetzt ist, empfiehlt es sich, die Pulverladung zusammen mit dem Gascheck auf die Setztiefe des Geschosses zu komprimieren. Die Pulverladung ist durch das langsame Einfüllen über das Fallrohr bereits vorkomprimiert Mit der Kompressionsmatrize wird die Ladung jetzt nochmals vorsichtig um einige Millimeter auf die Setztiefe des Geschosses verdichtet. Für den sauberen und gleichmäßigen Abbrand der Pulverladung ist die von Ladung zu Ladung gleichbleibende Kompression des Pulvers von größter Bedeutung. Wichtig für die Präzision ist hierbei, dass ein bestimmtes Volumen der Hülse vom Pulver gefüllt und dieses Pulver von Ladung zu Ladung gleichmäßig optimal verdichtet ist. Das Gewicht des Pulvers ist dabei nebensächlich und nur dazu brauchbar, die Pulvermenge abzumessen, die das VOLUMEN ausfüllt. Um eine möglichst gleichmäßige Verdichtung zu erhalten, gegen Perfektionisten hin und schütten ihr Pulver durch zwei Siebe. Das erste Sieb hält große Pulverkörner zurück und das zweite Sieb lässt die feineren Körner und Pulverstaub passieren. Somit bleibt im zweiten Sieb eine gleichmäßige Pulverkörnung zurück, die sich dann auch optimal und gleichmäßig verdichten lässt. Erst durch die Kompression des Pulvers brennt dieses sauber und unter maximaler Druckentwicklung ab.

Geschosse

Ordonanzmäßig wurde für die Patrone .45-70 Gvmt. zunächst das 405 Grain Hohlbodengeschoss und später ein 500 Grain Geschoss verwendet. Für den sportlichen Einsatz wurden Geschosse von 405 bis 550 Grain verwendet. Das 405 Grain Geschoss entspricht auf den ersten Blick den heute üblichen 405 Grain Geschossen mit Flach-boden. Es hatte jedoch in der ursprünglichen Ordonanzausführung einen Hohlboden, obwohl es in den zeitgenössischen Abbildungen oft nicht damit abgebildet ist. Der Hohlboden sollte ein schnelles Expandieren mit dem sofortigen Abdichten des Laufinnenprofils gewährleisten. Damit es sich beim Setzen und Crimpen nicht verformte, war es aus einer 16 : 1 Blei-Zinnmischung gegossen. Die Patronen waren damals überwiegend für die Trapdoor Gewehre in ihren verschiedenen Ausführungen bestimmt. Deren Läufe hatten einen Drall von 1 Umdrehung auf 22 Inch ( ca. 56 cm) und auffallend breite Züge und Felder, was sie unempfindlicher gegen die beim Militär seit eh und je beliebten Laufreinigungen machte. Messungen bei einer Vielzahl von neuwertigen Trapdoor Läufen zeigen zudem Zugtiefen von .454" bis zu .472", wobei die überwiegende Zahl der Läufe im Bereich zwischen .460" bis .464" liegt. Nach der Faustregel soll ein Geschoss Zugmaß plus etwa 0.001" ( 0,025mm) haben. Eine Patrone mit einem Geschoss von .474" wird jedoch schon beim Einführen in das Patronenlager klemmen und entspricht auch nicht den Messblättern des Frankford Arsenal, die einen Toleranzbereich von .4575" bis max. .4585" angeben. Trotz dieser "dünnen" Ordonanzgeschosse erbrachten die Trapdoor-Rifles eine erstaunliche Präzision. Die Gründe lagen im Hohlboden des Geschosses und in dem Crimp. Dieser Crimp sollte den Auszugswiderstand beim Zünden erhöhen und dem Zündhütchen Zeit zum Durchzünden der komprimierten Ladung geben. Die Ordonanzvorschrift zeigt, dass sowohl beim 405 als auch beim 500 Grain Geschoss die obersten 0.05" (1,27 mm) der Hülse über dem ersten Führungsring des Geschosses gecrimpt wurden. Dieser zusätzliche Auszugswiderstand war nötig, da das nur 405 Grain schwere Geschoss nicht die notwendige Masseträgheit hatte, sich bei dem Pulverschlag entsprechend aufzustauchen und den Lauf abzudichten. Dieses Abdichten wurde durch den Hohlboden gefördert. Mit seiner 16:1 Blei-Zinnlegierung war das Geschoss noch genügend formbar um sich mit dem Pulverschlag dem Laufinnenprofil anzupassen und Gasschlupf zu vermeiden. Erst durch die Einführung des späteren 500 Grain Geschosses ergab sich eine bessere Massenträgheit und der Hohlboden erübrigte sich. Trotzdem wurde auch dieses Geschoss noch gecrimpt.

 

Moderne 500 Grain Geschosse wie zum Beispiel das Lyman 457125 unterscheiden sich jedoch in der Form des Geschosskopfes und den Führungsbändern wesentlich von dem Ordonanzgeschoss. Das Lyman-Geschoss ist 33,6mm lang. Die 5 Führungsbänder mit 4 breiten Fettrillen beanspruchen 16,25 mm der Geschosslänge . Das 33,3 mm lange Ordonanzgeschoss hat dagegen 3 breite Fettrillen und 4 Führungsbänder, die eine Geschosslänge von 14,5 mm beanspruchen. Somit hat das Ordonanzgeschoss eine um fast 2 mm geringere Setztiefe, womit entsprechend mehr Volumen für die Pulverladung zur Verfügung steht. Heute gibt es wieder eine gute Auswahl an Giesskokillen, die für Schwarzpulverpatronen geeignet sind. Dabei gilt grundsätzlich "Je schwerer das Geschoss, um so besser für die Präzision". Hierbei sollte jedoch der Drall des Laufes nicht unberücksichtigt bleiben. Bei den Springfield Trapdoor war ein Drall von 1 auf 22" noch üblich, der die genannten Geschosse gut stabilisierte. Die Übernahme von "erprobten Präzisionsladungen" birgt jedoch die Gefahr, dass in der Regel völlig unbekannt ist, welchen Drall die entsprechende Waffe hatte, die mit dieser Ladung präzise schoss. Die Erfahrung hat gezeigt, dass selbst bei einem Hersteller ein Waffenmodell mit verschiedenen Läufen ausgeliefert werden kann. Während bei einem früheren Gewehr ein Lauf mit einem Drall von 1 auf 22" ausgeliefert wurde, kann er das gleiche Modell kurze Zeit später mit einem Drall von 1 auf 20" oder gar 18" ausliefern. Zu den Hausaufgaben gehört es daher, dass man "seinen .45-70 Lauf" erst einmal "auf Drall- und Zugmaß prüft". Die Länge des Dralls lässt sich leicht mit dem Putzstock feststellen. Der wird mit einem stramm passenden Reinigungspflaster von der Mündung her eingeführt, wobei der Reinigungsstock den Zügen und Feldern folgt. Jetzt wird direkt an der Laufmündung auf dem obersten Punkt des Ladestockes eine Markierung angebracht. Der den Zügen und Feldern folgende Reinigungsstock wird jetzt vorsichtig aus dem Lauf gezogen, bis die Markierung eine halbe Umdrehung gemacht hat. Die Strecke zwischen Laufmündung und Markierung am Reinigungsstock ergibt dann multipliziert mit 2 die Länge des Dralls. Neben dem früher üblichen Drall von 1 auf 22" werden heute Läufe gebaut mit einem Drall von üblicherweise 1 auf 18" bis 1 auf 20". Dieser Drall stabilisiert bestens die in den Kalibern .45-70 üblichen Geschosse mit Gewichten zwischen 500 bis 550 Grain. Waffen im Kaliber .40 haben einen geringfügig schnelleren Drall und bei .50er Läufen sind Längen von 1 auf 48" bis 1 auf 26" üblich. Frühe .50er Läufe haben mit dem relativ langsamen Drall leichte 425 Grain Geschosse mit hohen Pulvermengen als sogenannte "Express-Ladungen" verschossen.

 

Heute haben moderne .50er Läufe für Patronen der Kaliber .50-90 oder .50-140 Sharps oft einen schnelleren Drall von 1 auf 26", der Geschosse mit Gewichten von 550 bis 650 Grain stabilisiert und Präzision liefert! Moderne Großwildbüchsen im Kaliber .458 Win. Mag. haben einen Drall von 1 auf 14" bei der Verwendung von 500 Grain Geschossen. Mit diesem schnelleren Drall soll jedoch nicht nur das Geschoss im Flug, sondern auch noch beim Durchdringen des Wildkörpers stabil gehalten werden.

 

Ausmessen des Laufinnenprofils

Vor dem Kauf von Geschossen empfiehlt es sich, erst einmal festzustellen, welches Laufkaliber die Waffe hat. Während bei modernen Waffen das Zugmaß im Toleranzbereich von hundertstel Millimetern liegt, können bei Originalen auch Abweichungen von einigen zehntel Millimetern festgestellt werden. Für das Kalibriermaß des Geschosses gilt die Faustregel "Zugmaß plus .001" (0,025 mm)" . Für das Ausmessen des Laufinneren benötigt man entweder teure Spezialwerkzeuge oder man fertigt einen Abguss der auszumessenden Stelle an und misst dann diesen Abguss mit herkömmlichen Mikrometerschrauben von außen. Für die grobe Einschätzung mag hier ein Durchtrieb aus Weichblei ausreichen - für eine präzise Messung empfiehlt sich ein Abguss mit Cerrosafe. Cerrosafe ist ein Metall mit einem Schmelzpunkt von 85 0 C. Die besonderen Vorzüge liegen in seinen Eigenschaften. Nach dem Gießen erstarrt es innerhalb einer Minute, ist dann hart wie Zinn und somit unempfindlich gegen leichte mechanische Beanspruchung. Der Abguss entspricht GENAU dem Innenmaß des Laufes oder des Patronenlagers. Nach Ablauf einer Stunde expandiert der Abguss und hat nach 200 Stunden ein Maß erreicht, das 0,0025 % über dem tatsächlichen Maß liegt. Ein Abguss der letzten Zentimeter vor der Mündung und des Patronenlagers mit den ersten Zentimetern des Laufes (Übergangskonus!) hilft Ihnen nach dem Ausmessen schnell, das geeignete Maß für die Kalibrierung zu finden.

Schwere oder leichte Geschosse?

Bei einem jagdlichen Einsatz auf üblicherweise kurze Entfernungen im Vergleich zum Longrangeschiessen bieten leichte Geschosse Vorteile, da sie durch die Pulverladung auf eine höhere Geschossgeschwin-digkeit gebracht werden und sich die Energie eines Geschosses bei doppelter Geschwindigkeit vervierfacht. Für das Präzisionsschießen auf weite Entfernungen ziehen jedoch die Eigenschaften der schweren Geschosse. Diese bieten zum ersten einen genügend hohen Auszugs-widerstand und geben dem Zündhütchen somit ausreichend Zeit, die komprimierte Pulverladung zu durchdringen, bevor sich das Geschoss in Bewegung setzen kann. Der zweite Vorteil liegt in dem Flug- verhalten der Geschosse auf weite Entfernungen. Ein leichtes Geschoss beginnt seinen Flug mit einer hohen Anfangsgeschwin-digkeit, die deutlich über der Schallgeschwindigkeit liegt. Die Schallmauer wird dabei in der Regel zweimal durchbrochen - beim Eintritt und später beim Verlassen des Überschallbereiches. Beim jeweiligen Durchbrechen der Schallmauer kann es durch das Strömungsverhalten der Luft zu einer Beeinflussung des Geschosses kommen. Zudem vergrößert sich der auf das Geschoss einwirkende Luftwiderstand mit steigender Geschwindigkeit. Je leichter das Geschoss ist, um so schneller wird es dadurch an Geschwindigkeit verlieren. Das schwere Geschoss startet bei gleicher Pulverladung mit einer deutlich langsameren Geschwindigkeit. Beide Geschosse haben zwar den gleichen Querschnitt, die hinter diesem Querschnitt schiebende Kraft ist bei dem schweren Geschoss jedoch höher und der Verlust an Geschwindigkeit fällt deutlich langsamer aus. Die Folge davon ist, dass ein mit langsamer Geschwindigkeit startendes (schweres) Geschoss das rapide an Geschwindigkeit verlierende schnelle (leichte) Geschoss bei weiten Entfernungen überholen und als erstes im Ziel sein kann. Ein weiterer Vorteil schwerer Geschosse ist die Unempfindlichkeit gegen Seitenwind. Die Seitenwindempfindlichkeit steigt mit zunehmender Geschwindigkeit. Werden zwei Geschosse mit gleichem Gewicht aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten abgefeuert, so zeigt das schnellere Geschoss eine deutlich größere Abdrift im Ziel. Bei Longrangeschützen werden daher möglichst schwere Geschosse bevorzugt, die knapp unter Schallgeschwindigkeit fliegen. Die gängigen Geschossgewichte für .45er Patronen liegen dabei bei 525 bis 540 Grain.

Bleilegierungen

Das Geschoss wird vom Kalibrieren bis hin zum Setzen in die Patronenhülse beansprucht. Neben der gewollten Kalibrierung sollten sich dabei keine Änderungen am Geschoss ergeben. Erst die Explosion des Pulvers soll wieder eine Veränderung am Geschoss bewirken. Das 405 Grain Geschoss wurde aus einer 16:1 Blei-Zinnlegierung hergestellt. Der hohe Anteil an Zinn erklärt sich aus der Beanspruchung des Geschosses durch das Setzen und Crimpen. Hierbei sollte das Geschoss weder gestaucht noch die Führungsbänder beim Eincrimpen und späteren Ausziehen aus der Hülse beschädigt werden. Gleichzeitig muss dass Geschoss jedoch noch genügend formbar sein, damit es sich schnell in die Züge einpresst und den Lauf gasdicht abschließt. Die Nachfolgepatrone war mit einem 500 Grain schweren Geschoss ausgerüstet und brauchte wegen der erhöhten Masseträgheit nicht mehr so stark eingecrimpt zu werden. Hier war eine 20:1 Blei-Zinnlegierung ausreichend, dem Geschoss die nötige Festigkeit zu geben. Über das richtige Verhältnis der Blei-Zinnlegierung für Ihren Lauf können nur eigene Versuche Aufschlüsse geben. Es gibt Läufe, die mit einer etwas härteren Legierung bessere Ergebnisse bringen während andere Läufe eine weichere Legierung bevorzugen. Eine 20:1 Legierung ist ein guter Ausgangspunkt und wird in den meisten Waffen eine gute Präzision erbringen. Je nach Ladung, Drall und Zugprofil sind Legierungen bis zu 40:1 erprobenswert.

Antimon als Bestandteil von Legierungen

Antimon und Zinn sind als die häufigsten Legierungsbestandteile im Blei der Wiederlader zu finden. Eine häufige und preiswerte Quelle für solches Blei sind Auswuchtgewichte aus der Reifenbranche. Obwohl die Härte von Auswuchtblei etwa einer Legierung von 20:1 Blei-Zinn entspricht, hat Antimon einen entscheidenden Nachteil. Durch Antimon verliert das Blei seine plastischen Eigenschaften und wird spröde. Soll ein .459" kalibriertes Geschoss noch auf das Zugmaß von .460" expandieren hat man schnell Präzisionsprobleme und einen verbleiten Lauf. Bei einem antimonhaltigen Hohlbodengeschoss sieht man nach mangelnder Expansion oder durch Risse im Hohlboden schnell quer einschlagenden Geschossen hinterher.

Geschossfettung

Moderne Geschossfette für Nitroladungen bestehen meist auf einer Alox-Bienenwachs-Basis, die für Schwarzpulverladungen wenig vorteilhaft sind. In diesen Fetten sind Bestandteile auf Mineralölbasis eingebaut, die die Verbrennungsrückstände des Schwarzpulvers im Lauf zu harten Krusten werden lassen. Über diese Verkrustungen rutscht das nächste Geschoss, Blei wird abgeschert und Pulvergase entweichen zwischen Geschoss und Laufwandung mit nachträglichen Folgen für die Präzision. Für Schwarzpulverladungen sollten ausschließlich auf tierischen oder pflanzlichen Fetten basierende Bestandteile verwendet werden. Sind die Fettrillen im Geschoss ausreichend tief und breit, so wird darin genug Fett transportiert um einmal die Reibung zwischen Lauf und Geschoss zu mindern und zum anderen um die Verbrennungsrückstände weich zu halten. Gleichzeitig verhindert der im Lauf zurückgelassene Fettfilm das Ansetzen von abgeschmolzenen Bleirückständen. Betrachtet man nach dem Schuss die Laufmündung und sieht dabei eine sternförmige Ablagerung von Fett, ist dies das beste Zeichen, dass beim Verlassen des Laufes noch genügend Fett am Geschoss vorhanden war. Zur Geschossfettung haben sich das amerikanische SPG-Lube, B.P.C-Lube von Montana Armoury und No. 55 B.P.C.-Lube bestens bewährt. Werden alle Schritte beachtet, brennt das Schwarzpulver sauber ab und in Hülse und Lauf wird sich nach dem Schuss lediglich ein leichter grauer Niederschlag zeigen. Felder und Züge sind noch deutlich und scharf zu erkennen. Nachdem die Hülse aus dem Patronenlager entfernt ist, steckt man einen kurzen Schlauch in das Patronenlager und atmet ein- oder zweimal langsam durch den Lauf aus. Schwarzpulverrückstände sind stark wasserziehend und binden sofort die Feuchtigkeit aus der Atemluft. Hierdurch wird aus dem trockenen Rückstand ein weicher feuchter Schmutzfilm, der sich mit einem trockenen Putzläppchen leicht nach vorne aus der Mündung schieben lässt. Der Lauf ist anschließend spiegelblank und ohne erkennbare Rückstände. Lassen sich die Verbrennungsrückstände mit dieser Methode leicht aus dem Lauf schieben, können Sie sicher sein, dass sie in einer Schussserie auch ohne das Durchwischen vom Geschoss aus dem Lauf befördert werden. Befinden sich nach dem Durchwischen mit einem TROCKENEN Putzläppchen noch fest anhaftende Rückstände im Lauf, ist dies ein Warnsignal für einen schlechten Pulverabbrand oder ein unzureichendes Fett.

Das Setzen der Geschosse

Die sorgfältig gegossenen und kalibrierten Geschosse verdienen auch beim Laden eine schonende Behandlung. Hierzu gehört insbesondere die Vorbereitung der Hülse für das Geschoss. Nach dem Schießen sollte die Hülse schnellstmöglich entzündert und dann unter fließendem Wasser innen und außen abgewaschen werden. Schwarzpulverrückstände greifen das Messing der Hülse schnell an und lassen es oxydieren. In rauen Innenflächen setzt sich dann der Schmutz noch leichter an. Bei der Kalibrierung reicht eine Teilkalibrierung des Bereiches, in dem das Geschoss später sitzt. Durch die M-Die wurde die Hülse bereits auf ein Maß knapp unter dem Kalibriermaß aufgeweitet und der oberste Millimeter des Hülsenmundes trichterförmig aufgeweitet. Hierdurch lässt sich das Geschoss zur Not bereits leicht von Hand in die Hülse drücken. Präziser geführt und auf die genaue Tiefe gesetzt wird das Geschoss von der Setzmatrize. Der Führungsteil für das Geschoss wird bei dieser Setzmatrize in den seltensten Fällen genau zu Ihrem Geschosskopf passen und unter Umständen trotz sorgfältiger Vorbereitung der Hülse einen leichten Eindruck oder Ring am Geschoss hinterlassen. Abhilfe schafft hier die Überarbeitung des Setzstempels mit Schleifleinen. Wer die perfekte Passung zwischen Geschosskopf und Setzstempel sucht, bohrt den Setzstempel auf Übermaß aus, beschichtet das Innere der Setzmatrize mit einem Trennlack und stellt sich dann eine Mischung aus einem Zweikomponentenkleber oder Acraglas her. Dieser Kleber kann noch in einem Verhältnis von 1:1 mit Alupulver durchmischt werden. Mit der Masse wird der ausgebohrte Setzstempel ausgefüllt und eine ebenfalls mit Trennlack beschichtet Patrone mit der Ladepresse in die Matrize "gefahren". Nach dem Aushärten hat man eine perfekte Passform!

 

.45-70 oder .45 - 120 ?

Wer sich vor dem Kauf einer Waffe den Kopf über die Kaliberfrage zerbricht, der gerät leicht in die Versuchung zu einem der beein-druckenden Kalibern zu greifen. Man sollte jedoch einen kühlen Kopf bewahren und sich strikt fragen "Was will ich mit dem Gewehr?" Lautet die Antwort "Sportliches Schießen auf in Deutschland übliche Entfernungen!", so wird die Wahl klar zugunsten der Patrone .45-70 ausfallen. Diese Patrone ist preiswert zu laden und deckt alle Entfernungen bis 1000 Meter problemlos ab. Im Bereich zwischen 800 und 1000 Metern hat die Patrone .45-90 geringfügige Vorteile, die dann aber auch schon mit höheren Kosten für Hülsen und Matrizen teuer bezahlt werden müssen. Die Möglichkeiten, diese Vorteile hier in Europa ausnutzen zu können liegen allerdings mangels geeigneter Schießstände gegen Null. Wer heute jemanden trifft, der eine .45-120 im sportlichen Wettbewerb schießt, der kann ruhig fragen, ob er mit einer vollen Ladung schießt. Wenn er eine ehrliche Antwort erhält, dann wird er erfahren, dass auch dieser Schütze 20 oder 30 Grain seines Hülsenvolumens mit einem Zwischenmittel ausgefüllt hat. Sieht man den Preis von fast DM 6,00 für eine .45-120 Hülse gegenüber dem Preis von DM 1,00 für eine .45-70 Hülse und bedenkt dann noch die Kosten des Matrizensatzes, so fällt die Wahl zweifellos auf die .45-70 Government.

Wer allerdings wie ich dem Reiz einer .45-120 oder .50-90 Sharps aus Freude an diesen gewaltigen Brummern verfällt, der kann sicher sein, dass sie einem eine Menge an Spaß verschafft - für den Wettkampf hat man ja schließlich noch eine .45-70 im Keller!

 

 

Nachdruck für private (nichtgewerbliche) Zwecke gestattet.

Günter Stifter